Cornelia Ostler aus Finning am Ammersee lebt das Leben, von dem viele träumen: In jeder freien Minute ist die 28-Jährige auf der Suche nach den letzten verborgenen Schätzen der Geschichte. Damit vollendet sie das Lebenswerk ihres verstorbenen Vaters Reinhold Ostler, einem der bekanntesten Schatzsucher Deutschlands. Im Gespräch mit Outdoorfrauen berichtet sie von dem Adrenalin kick bei der Schatzjagd und dem Kampf gegen Klischees in der männerdominierten Schatzjäger-Szene.

Die Tochter der Schatzsucher-Ikone Reinhold Ostler lässt sich nicht von den Stammtischparolen ihrer männlichen Sondengänger Kollegen beeinflussen

Die Tochter der Schatzsucher-Ikone Reinhold Ostler lässt sich nicht von den Stammtischparolen ihrer männlichen Sondengänger Kollegen beeinflussen

Der eine oder andere Laie denkt beim Wort „Schatzsuchen“ wohl an das erkunden verborgener Tempel, im Stile von Outdoor-Abenteuern aus Hollywoodfilmen. Wie muss man sich die Realität vorstellen?

In erster Linie ist das mit viel Recherche verbunden. Gerade im Winter bin ich damit beschäftigt, Material zu sammeln. Mein Vater hat mir ein riesiges Archiv hinterlassen, das ich durchforste. Auch Heimatforscher können über wichtige Infos verfügen, die oft hilfreich sind. Aber das ist viel Arbeit, bis sich das Bild Puzzlestück für Puzzlestück zusammen setzt. Im Sommer mache ich mich dann mit dem Metalldetektor auf die Suche an den Orten, die sich herauskristallisiert haben.

Worauf konzentrieren sie sich derzeit?

Meine zwei wichtigsten Projekte sind die Suche nach dem Bernsteinzimmer und das Aufspüren des Nazigoldes vom Walchensee. Beide Objekte sind in der letzten Phase des zweiten Weltkrieges verschwunden und verfügen über großen historischen Wert.

Sondengänger, wie Schatzsucher wegen des Einsatzes von Metalldetektoren auch genannt werden, verfügen bei den zuständigen Ämtern teilweise über einen zweifelhaften Ruf. Einer der Vorwürfe lautet, Schatzsucher würden durch mangelnde Fachkenntnis, historisch bedeutende Funde gefährden. Wie sehen Sie diese Kontroverse um das Outdoor-Hobby?

Dieser Konflikt zwischen studierten Archäologen, die häufig als Beamte arbeiten und Schatzsuchern, die ihre Leidenschaft in der Regel als Hobby betreiben, besteht schon lange. Mittlerweile wird bei dieser Debatte auch viel verallgemeinert. Meiner Meinung nach gibt es überall schwarze Schafe. Deshalb war es eine Herzensangelegenheit meines Vaters mit seinen Publikationen zu informieren und zu sensibilisieren. Jeder seriöse Sondengänger macht einen großen Bogen um geschützte Bodendenkmäler und es ist selbstverständlich, dass die Spuren, die man beim Suchen hinterlässt beseitigt und keinen Müll hinterlässt.

Was ist der besondere Kick beim Suchen?

Das Gefühl, das mich dabei überkommt, wenn ich auf der Suche bin, kann ich gar nicht beschreiben. Das ist Nervenkitzel, Adrenalin. Ich denke, das muss man einfach im Blut haben. Für mich ist das etwas ganz Besonderes. Beim Suchen habe ich das Gefühl, meinem verstorbenen Vater nahe zu sein. Ich will sein Lebenswerk vollenden.

Die Schatzsucher-Szene ist eine Männerdomäne. Mit welchen Vorurteilen haben Sie zu kämpfen?

Man wird schon mit Klischees konfrontiert: ‚Geschminkt, gemachte Nägel – Das ist keine Schatzsucherin.‘ Aber da braucht man ein dickes Fell. Ich lasse mir doch von niemandem mein Hobby madig machen, nur weil ich eine Frau bin! Außerdem bekomme ich auch viele positive Rückmeldungen, die mich auf meiner Suche weiter unterstützen.