Foto: Antje Kramer

Foto: Antje Kramer

Beim professionellen Mountainbiken denkt man sofort an harte Kerle, die Wind und Wetter trotzen. Doch das Profigeschäft ist längst keine reine Männerdomäne mehr. Die siebenfache deutsche Meisterin Antje Kramer sprach mit “outdoorfrauen“ über Vorurteile, Rückschläge und Triumphe.

Antje Kramer blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. 12 Jahre lange dominierte sie die Downhill-Szene wie keine andere vor ihr. In der halsbrecherischen Outdoorsportart rasen die Mountainbikerinnen in rasender Geschwindigkeit eine Abfahrt hinab, die zusatzlich mit allerlei Schikanen, Sprüngen und riskanten Abhängen gespickt ist. Die siebenfache deutsche Meisterin hat nach einem lebensgefährlichen Sturz 2011 beschlossen, dem Downhillsport den Rücken zu kehren. Dennoch hat sie ihr Ehrgeiz zu neuen Herausforderungen getrieben: Das Enduro-Mountainbiken bringt in verschiedenen Etappen während eines Rennens die Komponente Ausdauer noch stärker mit ins Spiel. Dort ist sie Führende im Spezialized Enduro Cup.

 

Frau Kramer, wie sind Sie das erste Mal mit dem professionellen Mountainbiken in Kontakt gekommen?

Ich war schon immer an Outdoorsportarten interessiert – ob Surfen, Skifahren oder Wildwasserkanu. Ein einfaches Mountainbike besaß ich damals schon. Dann habe ich 1999 einen Bekannten aus der Downhillszene kennen gelernt. Die Faszination hat mich sofort gepackt. Anfangs fuhr ich noch illegale Rennen in Nordrhein-Westfalen, über die Hobbyklassen nahm ich dann bereits zwei Jahre später an der ersten Welttournee teil.

Erinnern Sie sich noch an der ersten Höhepunkt ihrer Blitzkarriere?

Das ging tatsächlich alles sehr schnell, ich war mit 30 damals ja quasi eine Quereinsteigerin und 2003 konnte ich bereits meine erste deutsche Meisterschaft feiern. Von da an  konnte ich den Titel sieben mal hintereinander holen.

Damit sind Sie Rekordhalterin. Wie haben Sie es geschafft, so lange auf diesem Niveau zu fahren?

Das geht nur mit Ehrgeiz und Training. Neben meiner Arbeit als Stationsleiterin in einem Krankenhaus trainiere ich sechs mal die Woche. Und ich war auch bei meinen größten Erfolgen nie ganz zufrieden, wenn ich mir selbst eingestehen musste: ‚Das wäre noch besser gegangen.‘

Wie muss man sich da den Alltag vorstellen? Leidet das Privatleben nicht darunter?

Doch klar, allein den Jahresurlaub musste ich komplett für den Weltcup oder Europameisterschaften opfern. Und natürlich macht sich das auch im Freundeskreis bemerkbar. Aber dafür wird die Beziehung zu den Trainingspartnern umso besser. Ich denke, dass ist einfach der Preis, den man zahlen muss wenn man vorne mitfahren will.

Downhill-Mountainbike ist ein sehr harter und gefährlicher Sport. Wie bezwingt man die Angst vor Verletzungen?

Ich kann hart mit mir umgehen und würde sagen, dass ich nicht so schmerzempfindlich bin. Die Stürze gehören einfach dazu. Verletzungen haben mich eigentlich nur weiter motiviert. Vier mal habe ich mir die Hände gebrochen, einmal sogar beide gleichzeitig. 2011 war mein schlimmster Sturz, da bin ich nur knapp dem Rollstuhl entkomen. Seitdem fahre ich nur noch Enduro-Rennen. Das ist aber eigentlich auch nicht ungefährlicher (lacht).

Welches Verhältnis hast du zu deinen männlichen Kollegen?

Ich bin stolz darauf, dass ich mir mittlerweile einigen Respekt erarbeitet habe. Generell ist die Mountainbiker-Szene immer noch eine männlich dominierte Sportart, aber ich habe den Eindruck, dass der Frauenbereich seit den letzten Jahren immer stärker wächst.